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Karl König Institut

Leitmotive

Aus: "Die großen Fragen der Zeit und die anthroposophische Geisterkenntnis."
         Rudolf Steiner im Vortrag vom 18.11. 1920  Veröffentlicht im Archiati Verlag 2005.

Den Menschen erkennen, den Menschen verstehen, mit den Menschen auskommen, mit den Menschen gemeinsam leben zu können. Das ist schließlich dasjenige, wohin im Grunde alles menschliche Denken doch tendieren muss, wenn der Mensch nicht den Boden unter den Füßen verlieren will.

Aus: "Mensch unter Menschen werden", zur sozialen Dreigliederung. Verlag Freies Geistesleben, 2009.

Unmittelbar unter dem Eindruck seiner Reise zum "Herzen Mitteleuropas" - nach Prag und vor allem zur Burg
Karlstein - macht Karl König auf die Notwendigkeiten der sozialen Erneuerung aufmerksam. Das soziale Bauwerk
muss heute im Inneren des Menschen aktiv entwickelt werden. Nur "aus dem Geiste heraus" kann eine dem
heutigen Menschen gemäße soziale Gestaltung entstehen. Doch kann König plastisch-bildhaft und in
eindringlicher Weise aufzeigen, wie die Ansätze dazu im Menschen selbst veranlagt sind und im gewöhnlichen
Alltagsleben durch konsequentes Üben wirksam werden können:

"Das ist es, um was es geht; dass wir mehr und mehr begreifen, dass der Friede, der Menschenfriede
nur entstehen kann, wenn Einsicht gewonnen wird in die neue Spiritualität, die die Sozietät der
Menschen erfüllt."


Am 7.Mai 1964 wurde die Camphill Schulgemeinschaft Föhrenbühl feierlich von Karl König eröffnet. Hier ein kurzer Ausschnitt aus seiner Ansprache:

"Nur wenn wir uns wieder in Gemeinschaften zusammenfinden, die nicht durch die Bande des Blutes, sondern durch die des Geistes entstehen, wo wir füreinander arbeiten und zusammen streben, wo Erwachsene und Kinder, wichtige und weniger wichtige Menschen, fähige und nicht fähige in gegenseitiger Anerkennung der Würde des Einzelnen zusammenkommen und eine neue Form der Gemeinschaft bilden, nur dann wird etwas zustande kommen, wodurch Kindern und jungen Menschen die Möglichkeit gegeben wird, dass sie ihr wahres Wesen, ihre spirituelle Existenz zum Ausdruck bringen und ihren Beitrag geben können."


Im Jahre 1961 konnte Karl König zum ersten Mal Ansbach besuchen und die letzte Lebensstätte Kaspar Hausers erleben. Tief beeindruckt, schrieb er einen Aufsatz für das "Cresset", die damalige Zeitschrift der Camphill Bewegung. Aus den Schlussbemerkungen:

"Noch immer berührt die Geschichte von Kaspar Hauser die Herzen der Menschen. Jahr für Jahr werden Bücher und Streitschriften geschrieben über dieses unglückliche Kind, diesen seltsamen jungen Mann, diesen verstoßenen Prinzen. Und jedes Mal bewegt die Botschaft dieses Schicksals aufs Neue das menschliche gewissen. Ist es nicht seltssam, dass eine so einfache Geschichte nicht vergessen wird, dass eine geheimnisvolle Kraft sie am Leben hält? Gibt es in der Geschichte nicht viele verstoßene Prinzen und ermordete Herrscher? Warum steht gerade dieses Kind vor uns wie ein Mahnmal, das unser besseres Ich wachruftund uns auffordert, es nicht zu vergessen? Kaspar Hauser durchschritt seine Zeit, als wäre er ein Symbol für die Zukunft Europas. Schon seine Zeitgenossen nannten ihn daher "das Kind Europas". Als er 1828 erschien, war Europa nach außen hin friedlich, innerlich jedoch zerrissen und gepeinigt. Noch waren die Auswirkungen der Napoleonischen Kriege zu spüren. Nationalismus breitete sich aus, die Ideen des Liberalismus führten tausende zur Auflehnung gegen die herrschenden Klassen. In Russland, Frankreich, Österreich und Italien bildeten sich revolutionäre Gruppen, und die Regierungen versuchten vergeblich, den neuen Geist zu unterdrücken.
Zur gleichen Zeit erlebten Kunst und Literatur, Musik und Philosophie nach jahrzehntelanger Blüte einen Niedergang [….]Eine neue Generation trat an: Darwin wurde geboren, Fechner, Lister, Pasteur, Claude Bernard, Helmholtz und Virchow. Mit Ihnen begann ein neues Zeitalter. [….]
Wie ein menschlicher Archetypus erschien Kaspar Hauser zu einer Zeit, als die Kräfte der Dunkelheit unter dem Schutzmantel des materialistischen und agnostischen Wissenschaften im Begriff waren, die Welt zu erobern [….]
Nicht das Christentum, sondern der Agnostizismus eroberte die Welt. Kaspar Hauser, der bestimmt war, in der Christianisierung Europas eine wesentliche Rolle zu spielen und der die menschliche Gesellschaft mit christlichen Ideen erfüllen sollte, wurde beseitigt. Seine Individualität wurde gefesselt und gemartet und so in ihrer Entfaltung behindert. Als er schließlich etwas von seinem Ich wiedergefunden hatte, wurde er ermordet. Der 14. Dezember 1833 war einer deschwärzesten Tage in der modernen Geschichte.
Sein Wesen erzeugt Barmherzigkeit, sein Geschick Liebe und Mitleid. Wir sind tief bewegt, wenn wir die Geschichte seines Lebens und Sterbens lesen. Aber seine Taten sind nicht heldenhaft, sie sind vielmehr das Leben völliger Ergebenheit und Demut: Seine Niederlage, nicht sein Sieg ist unsterblich. Er trägt das Schicksal des Opfers, das er in Unschuld darbrachte. Wir erfahren das Wunder und die Würde unserer eigenen Kinheit, wenn wir von seinem Leben und Sterben lesen, und wir erinnern uns daran, dass wir nicht nur sterbliche Materie sind, sondern unsterblicher Teil der Schöpfung.
Wenn wir das Schicksal Kaspar Hausers recht betrachten, so wissen wir, dass behinderte Kinder unser Herz in ähnlicher Weise anrühren. Auch sie erinnern uns an unser besseres Ich. Ihr Schutzpatron ist Kaspar Hauser, das "Kind Europas", der Bewahrer des "Ebenbild Gottes."


Vom Sinn und Wert heilpädagogischer Arbeit

Zu Weihnachten 1965 - also nur einige Monate vor seinem Tod - schrieb Karl König einen Aufsatz mit dieser
Überschrift. Dort schilderte er die Entstehungsgeschichte der Heilpädagogik auf dem Hintergrund des
wachsenden Materialismus und der Kriegswirren. Nachdem er diese Brücke vom 18. Jahrhundert bis zu Hans
Asperger und den Nachkriegsjahren gebaut hatte, schilderte etwas, das mit den Intentionen seines
Lebenswerkes in dessen Weite und Tiefe zu tun hat:

"Eine Wohlstandsgesellschaft,die ihr eigentliches Menschsein zu vergessen beginnt - eine Menschheit,
die sich in ihre Rassenprobleme verbeisst und gleichzeitig Vernichtungsmittel ersonnen hat, denen
Millionen in wenigen Minuten zum Opfer fallen können - eine soziale Ordnung, die die göttliche Ordnung
vergass und eine neue Ethik sucht, die sie, gottlos geworden, nicht mehr finden kann - zeugt in ihrer
Mitte einen neuen
Aufgabenkreis: den Hinfälligen, Behinderten, scheu Gewordenen, Lahmen und Siechen
so zu helfen, dass sie wieder ihr Menschentum erringen können. Ist es nicht ein großes Wunder, das sich
uns hier offenbaren will? Eine sich selbst vernichtende Menschheit erschafft in ihrer Mitte ein Neues, das
im absterbenden Teil ihres Daseins einen werdenden Keim zum Wachsen bringt. Eine umfassende
Heilpädagogik gleicht dem sich entfaltenden Samen in einer faulenden Frucht.
Wir müßen nur die Idee der Heilpädagogik weit genug fassen, um ihrer wahren Bestimmung ansichtig zu
werden.......Sie will zu einer weltweiten Tätigkeit werden, um der überall entstandenen "Bedrohung der
Person" hilfreich entgegenzutreten. Die "Heilpädagogische Haltung"muß in jeder sozialen Arbeit, in der
Seelsorge, in der Betreuung der Alten,in der Rehabilitation der Geisteskranken wie auch der Körper-
behinderten, in der Führung der Waisen und Flüchtlinge, der Selbstmordkandidaten und Verzweifelten,
aber auch in der Entwicklungshilfe, im internationalen Friedenskorps und ähnlichen Bestrebungen sich
zum Ausdruck bringen. Das ist die einzige Antwort, die wir heute - insofern wir noch Menschen sein
wollen - einer am Abgrund tanzenden Menschheit entgegenstellen können....

Nur die Hilfe von Mensch zu Mensch - die Begegnung von Ich mit Ich - das Gewahrwerden der anderen
Individualität, ohne des Nächsten Bekenntnis, Weltanschauung und politische Bildung zu erfragen -
sonderneinfach das Aug' in Auge-Blicken zweier Persönlichkeiten, schafft jene Heilpädagogik, die der
Bedrohung des innersten Menschseins heilend entgegentritt.
Allerdings wird das nur dann wirksam sein können, wenn eine grundlegende Herzenserkenntnis dabei
berücksichtigt wird".

(aus "Camphill Brief", Föhrenbühl und St.Prex, 1965)


Aus: Die drei Grundlagen der Heilerziehung.  (Aufsatz Karl Königs für "Weleda-Nachrichten" 1948)

Am Ende des vorigen Jahrhunderts begann der Zerfall der menschlichen Gesellschaft. Die Ordnungen, die bis dahin die Haltung des einzelnen Menschen bestimmt hatten,begannen zu zerbrechen..Die Familie,die Dorfgemeinschaft,die Zünfte,der Staat selbst,ob klein oder groß,verloren ihre realen Kräfte und damit ihre Bedeutung .Zunächst merkten das die Menschen nicht sehr und erst allmählich, je weiter sich dieser Zerfall bis in die Gegenwart hinein ausbreitete,um so ansichtiger wurde es Einigen...........
.............Heute ist jedes "zivilisierte" Land gezwungen,Mütter ,Säuglings, Ehe und Familienberatungs-stellen einzurichten, da man dadurch hofft,dem Zerfall der Familie entgegenarbeiten zu können.
Trotz dieses sozialen und gesellschaftlichen Fiaskos werden Kinder geboren, in manchen Ländern sogar mehr als "erwünscht". Sie wachsen auf ungeführt und ungeschützt, kreuz und quer,wie es das heutige Leben eben mit sich bringt. Warum sollten auch unsere Kinder "normal" reagieren, wenn sie in eine Gesellschaftsordnung hineinversetzt sind,die völlig und gänzlich innerlich zerbrochen ist?
Warum sollten sie wünschen so zu leben, als wäre nichts auf Erden geschehen und alles sowieso so gut als es die Zeitungen und Schnürsenkelpolitiker beschreiben? Diese Welt, in welcher ein Kind und Mensch zur Ware am Arbeitsmarkt und zur Nummer im Einheits-Staat geworden ist? Eine Welt in der von Geburt an alles zugerichtet ist, damit der sich entwickelnde Mensch alle nur denkbaren Vorteile und Bedingungen vorfindet, nur eines nicht: Ein Mensch sein zu können!
..........Wenn diesen Kindern geholfen werden soll,dann muss die erste Grundlage der Heilerziehung geschaffen werden:diese Kinder in ein soziales Milieu zurückzubringen .Das kann nicht eine Anstalt sein oder eine Schule mit Schlafsälen und Klassenzimmer, mit einem Eßsaal und all den sonst geglaubten Notwendigkeiten einer sogenannten Anstalt, wo die Lehrer kommen und gehen und die Schwestern und Hilfskräfte und Ärzte ihren Arbeitsplatz haben, um dann wieder zu verschwinden und das Kind sich selbst zu überlassen .Alle, Erzieher, Lehrer , Helfer, Schwestern, Ärzte können nur dann helfen, wenn sie mit den Kindern eine Familie leben und das ganz und gar. Wenn sie mit den Kindern eine Familie bilden und ihre eigene Familie Teil und Kernstück dieser Familie ist....................... Deshalb haben wir hier in Camphill die Kinder auf so viele als mögliche Häuser verteilt, wo jedes Kind sich " zu Hause" befindet ...........Alle Erwachsenen aber, die mit den Kindern leben, arbeiten und sie erziehen, müssen ein elterliches Gefühl für diese Kinder entwickeln , diese Erwachsenen müssen verstehen lernen, dass es heute notwendig ist,die neue Familie zu erschaffen,die nicht nur auf das Blut und die Vererbung gebaut ist, sondern auf den Helferwillen und die Liebe zu diesen Kindern, die ja eigentlich "elternlos"geworden sind. Denn obwohl diese Kinder Vater und Mutter haben, so haben sie sich durch ihre Krankheiten und Abarten aus der Familie herausgestellt und verlangen diese neue,aus dem Helferwillen heraus zu formende Familie.
Um den Helfern und Lehrern, Schwestern und Pflegern die Kraft zu dieser Aufgabe zu geben, ist es notwendig, eine Gemeinschaft aller in solchen Zusammenhängen mitarbeitenden Menschen zu bilden. Diese Gemeinschaft aber kann nur wieder eine Geist-Gemeinschaft sein, die sich innerlich um ein Ziel bemüht, das jeder als Einzelmensch, aber in Gemeinschaft mit seinen Brüdern und Schwestern zu erreichen sucht. Die weltanschauliche und religiöse Geschlossenheit einer solchen Gemeinschaft ist die Grundlage für die neue Familie, welche das soziale Rückrat für diese Kinder bildet.................
...............Eine Heilpädagogik zu treiben, ohne diese erste soziale Einsicht real durchzuführen, wird immer zu Halbheiten führen, sie wird einzelnen Kindern helfen können, aber, vorbeiblicken am Grundproblem selbst. Dieses Problem heißt: die sozialen Ordnungen sind zerbrochen , das Resultat ist die erschreckende Zunahme der Kinder, die einer Heilerziehung bedürfen, da der Rahmen, in welchem bisher Kinder aufwachsen konnten,zerfallen ist. Neue Zusammenhänge müssen geschaffen und gebildet werden,um diesen Kindern wieder Boden unter den Füssen zu schaffen
.
Jetzt in "das Seelenpflege-bedürftige Kind . Vom Wesen der Heilpädagogik",
Karl König Werkausgabe, Verlag Freies Geistesleben, Oktober 2008


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